Schade, die Süd ist fertig.

 

Mit grossen Augen stand ich am Bauzaun als die Betonmischer im Frühsommer 2007 die ersten Fundamente in den Matsch gossen. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und schlich mich an dem grimmigen Platzwart vorbei ins Millerntor. Als im Spätsommer die ersten Fertigteile kamen, begrüssten mich die Bauarbeiter schon mit Moin-Moin. Am Jahresende führte mich der letzte verbliebene Arbeiter auf der eiskalten Baustelle in die Ruinen des alten Clubheims und schwärmte von seinem FC bis der Wachdienst kam. Im Winter zeigte mir ein Lehrer auf dem Dach der benachbarten Schule stolz seinen Ausblick auf die Baustelle. Schliesslich erbarmte sich zum Frühlingsanfang auch ein Installateur und führte mich durch den Rohbau bis hinauf in die Logen.

 

Meine kleine automatische Kamera, die zuvor lediglich durch verwackelte Urlaubsbilder und verunglückte Grossaufnahmen von Kindern aufgefallen war, hatte kurz nach Ostern ihren ersten grossen Auftritt: Beim offiziellen Pressetermin für den neuen Umkleidetrakt fand sie sich etwas verloren zwischen professionellem Fotogerät mit armlangen Objektiven wieder. Doch die Kleine hat sich wacker geschlagen und viele hundert nicht immer perfekte Fotos geliefert, die den Bau der Südtribüne eigenwillig aus den verschiedenen Blickwinkeln des Millerntors portraitieren.

 

Im Frühsommer 2008 stiess ich auf der Baustelle erstmals auf Offizielle, dem Stadionbaukoordinator und einem Vertreter der Baufirma, und wir blinzelten breit grinsend der Sonne entgegen auf die Backsteinfassade.

 

Mittlerweile gehe ich nur noch ins Stadion, wenn Sankt Pauli spielt.